Riesenjubel beim Meister der Herzen

14. Oktober 2018

Die Bonn Capitals sind Deutscher Meister Baseball 2018 – die Meisterschale allerdings bekamen sie noch nicht. Mit 4:2 am Samstag und 7:5 am Sonntag besiegten die Capitals den Titelverteidiger Heidenheim Heideköpfe in den Spiel 4 und 5, entschieden also die Best-of-5-Serie für sich. Ein Protest der Heideköpfe verhinderte aber die offizielle Meisterschaft (mehr dazu weiter unten). Den rund 2.200 Fans und dem Team war es egal, sie feierten den ersten Titel der Bonn Capitals nach 23 Jahren Bundesligazugehörigkeit mit Riesenjubel und grandioser Stimmung – die an beiden Tagen mit insgesamt fast 4.000 Zuschauern kaum zu überbieten war.

Beide Spiele am Wochenende waren an Spannung kaum zu überbieten und boten Baseball auf allerhöchstem Niveau. Einer der Matchwinner der Capitals war ohne Zweifel Markus Solbach. Erst führte er Bonn am Samstag zum Sieg Nummer 2 im Alles oder Nichts Spiel 4. Und trotz der 99 Würfe kam er im siebten Inning von Spiel 5 noch einmal auf den Mound, wo zuvor Sascha Koch und Maurice Wilhelm gute Arbeit geleistet hatten, und hielt die Führung der Capitals fest. Dieses Spiel wogte hin und her und war nichts für schwache Nerven. Bonn ging mit 1:0 in Führung, lag 1:2 zurück, führte 3:2, lang 3:5 zurück – und machte am Ende die entscheidenden Punkte zum 7:5. Eric Brenk, Daniel Lamb-Hunt und Vinny Ahrens schlugen die Capitals zusammen mit Maurice Wilhelm zum Sieg. Nach dem Strikeout gegen Heidenheim im neunten Inning gab es dann kein Halten mehr.

„Wir sind ein Meister ohne Schale und das ist natürlich schade. Aber was dieses Team und unsere Fans an diesem Wochenende gezeigt haben, war so oder so meisterlich. Wir sind Meister der Herzen“, so der Vorsitzende Udo Schmitz. Spielertrainer BJ Roper-Hubbert beendet mit diesem Spiel seine sieben Jahre währende Zugehörigkeit zu den Bonn Capitals und wird zum Jahresende in die USA zurückgehen. Ein besseres Ende ist kaum vorstellbar. „Wir haben diese Meisterschaft verdient und haben in dieser Saison ein zweites Mal ein Stück Geschichte geschrieben. Dieser Verein hat so viel getan für dieses Ziel. Es macht mich stolz und glücklich, dass ich Teil dieses Erfolgs sein darf.“ Eric Brenk, der in dieser Saison als einziger jede Minute der 50 Spiele gespielt hat, sagte: „Wir haben viel investiert seit vielen Jahren und wir haben diesen Sieg verdient. Vor vier Jahren hat mir Max Schmitz eine Zigarre geschenkt, die wollten wir rauchen, wenn wir Meister werden“, sagte er lächelnd und zog an der Zigarre. Spieler wie Riley Barr, Jon Marshall und Chris Goebel ließen sich zur Feier des Tages ihre Bärte scheren. Gefeiert wurde bis tief in die Nacht.

Dass es dazu kam, dafür musste am Samstag der Grundstein gelegt werden. Jeder wusste, ein Sieg musste her. Entsprechend konzentriert gingen die Bonner zu Werke, jederzeit unterstützt von einer tollen Kulisse. Pitcher Markus Solbach hielt die Poweroffensive der Heideköpfe nicht komplett, aber sicher in Schach, die Defensive machte die Plays zum Aus sicher. Und wie es oft so ist: Spielertrainer BJ Roper-Hubbert, dem in den letzten Spielen nicht viel gelungen war, schlug direkt im ersten Inning einen Homerun zur 1:0 Führung. Danach aber hatten es beide Offensivreihen schwer, die Capitals hatten bis zum sechsten Inning nur zwei Walks auf ihrem Konto, keine weiteren Hits. Und dann schlug auch die Heidenheimer Homerun-Reihe wieder zu: Gary Owens glich zum 1:1 aus, ein Inning später ging sein Team sogar in Führung. Doch die Capitals schlugen direkt zurück. Nach vier Hits hintereinander von Maurice Wilhelm, Chris Goebel, Danny Lankhorst und Kevin van Meensel hieß es 3:2 für Bonn. Und die Capitals legten im achten Inning noch einen Run durch Vinny Ahrens zum 4:2 nach – was auch gut war, denn Heidenheim blieb weiter gefährlich. Riley Barr, der auf dem Mound übernommen hatte und sein letztes Spiel für die Capitals bestritt – er geht nach der Saison nach Australien – ließ zwar noch Hits zu, aber keinen Run. So brachte er den Sieg unter Dach und Fach.

In diesem Spiel hatte es im siebten Inning beim Stand von 1:2 eine Situation gegeben, in der einer der Umpire in Bonns Shortstop Brenk hineinlief, als der gerade zum Wurf an die Homeplate ansetzte, um den dritten Run der Heidenheimer zu verhindern. Durch die Kollision gab es keinen Wurf und den Lauf über die Homeplate. Doch die Umpire entschieden „dead play“ und gaben den Punkt nicht. Heidenheims Coach Klaus Eckle legte Protest ein – ein formaler Akt. Aber da dieser Protest am Samstag abend nicht mehr entschieden werden konnte vom zuständigen Schiedsgericht, gab es vorerst keine Meisterschale. Aussicht auf Erfolg hat der Protest eher nicht.

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