Der nächste Coup der Euro-Fighter

Ostrava in Tschechien ist derzeit das Mekka des europäischen Baseballs. Hier findet das Turnier um den European Champions Cup statt. Favoriten sind die Teams aus Italien und den Niederlanden – aber die Bonn Capitals wollen auch ein gehöriges Wort mitreden. Und mit zwei sensationellen Siegen gegen die Favoriten von ASD Parma und LD Amsterdam tun sie das auf überragende Art und Weise.

Auf die „Champions League“ des Baseball haben sich Spieler und Trainerstab der Bonn Capitals schon die ganze Saison gefreut. Natürlich liegt ein Fokus auf der Bundesliga, aber die internationale Herausforderung ist für alle noch einmal eine ganze andere Nummer. Sich mit den Besten des europäischen Team-Baseballs zu messen, ist einfach reizvoll. Doch nicht nur das: „Wir sind hier, um Spiele zu gewinnen, und dafür tun wir alles.“ Headcoach Max Schmitz und sein Team hatten zwar Respekt vor den Gruppengegnern aus Parma, Amsterdam und dem Heimteam aus Ostrava, aber das Halbfinale ist das erklärte Minimalziel. Und das haben die Capitals mit den beiden Siegen schon fast erreicht. Mit dem 5:4 gegen Parma war zum Auftakt der erste Schritt gelungen – und der zweite folgte am Mittwoch mit dem überragenden 14:13 gegen Amsterdam. Es kommt wahrlich nicht alle Tage vor, dass ein deutsches Team ein italienisches und ein niederländisches schlägt. Die Freude war entsprechend groß. „Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft, das waren echte Teamerfolge, jeder hat seinen Teil beigetragen,“ so Schmitz. „Wir lernen viel hier, zum Beispiel, dass wir dem vertrauen können, was wir zu leisten in der Lage sind. Und der Teamgeist aller, egal ob auf dem Feld oder nicht, ist herausragend.“

Bei dem Turnier, bei dem die Teams fünf Tage in Folge jeden Tag spielen, ist auch Deutschland, so wie Italien und Niederlande, mit zwei Teams vertreten. Die Heidenheim Heideköpfe als Deutscher Meister und Vizemeister Bonn Capitals hatten sich schon 2019 qualifiziert, doch 2020 wurde der Champions Cup aufgrund der Pandemie abgesagt. In zwei Vierergruppen wird gespielt, Ostrava und die Rouen Huskies aus Frankreich komplettieren das Feld. Die Top 2 jeder Gruppe qualifizieren sich fürs Halbfinale am Freitag, die anderen spielen den Absteiger aus. Das Bonner Team war am Sonntag per Flug über Kattowitz (Polen) nach Ostrava gereist, Max Schmitz und Wilson Lee hatten mit dem Auto das ganze Equipment transportiert. Baseball in Bonn ist Spitzensport, aber es heißt auch, jeder packt mit an.

Capitals zeigen Offensivspektakel

Dass es eng und herausfordernd wird, war allen im Team klar. Und in beiden Spielen war es hochspannend. Im Spiel gegen Parma wurde es im neunten Inning fast dramatisch. Nach 5:2 für die Capitals kam Parma auf 5:4 heran und hatte weitere Läufer auf den Bases, doch Maurice Wilhelm, Nick Miceli und die Bonner Verteidigung verhinderten einen weiteren Run, der Sieg war perfekt. Überragender Mann war hierbei Pitcher Sascha Koch. Youngster Anthony Rodriguez-Klinzing schlug drei Hits. 

Ein Offensivspektakel boten die Capitals und die Pirates aus Amsterdam. Bonn führte ständig, über 5:0 und 5:3 bis zum 9:3. Rückschlag dann im sechsten Inning, als Amsterdam zum 9:9 ausglich und im siebten Inning sogar mit 13:10 erstmals in Führung ging. Doch die Bonner Offensive zeigte ihre Comebackqualitäten. Sie antwortete mit einem Three-Run-Homerun von Wilson Lee zum 13:13. Lee war in diesem Spiel der überragende Mann, denn zum einen stand er fünf Innings lang als Werfer auf dem Mound und hielt Amsterdam bei fünf Runs, aber vor allem schlug er offensiv zu: Zwei Homeruns, ein Triple und ein Double, also vier Hits und sieben RBI, trug er zum Sieg bei. Joe Wittig hatte drei Hits. Den entscheidenden Punkt zum 14:13 im achten Inning erzielte Eric Brenk nach Schlag von Terrell Joyce. Auch hier zeigte das Bonner Team seine Widerstandskraft, denn es waren schon zwei Aus, bevor sie überhaupt Männer auf den Bases hatten. Joyce, der wie Danny Lankhorst auch einen Homerun schlug, stand dann als Closer auf dem Mound und brachte das Spiel nach Hause. Der Jubel beim Team war riesig. Am Donnerstag findet das letzte Gruppenspiel gegen Ostrava statt, und je nach Konstellation der anderen Spiele kann sogar eine Niederlage zum Halbfinale reichen. Aber daran denken die Jungs von Max Schmitz nicht, sie wollen weiter siegen.

Foto: Thomas Schönenborn

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