„Es ist ein Marathon, kein Sprint“

27. März 2019

Alex Derhak (37) aus den USA ist seit dem 1. Januar Trainer der Bundesliga, als Nachfolger von BJ Roper-Hubbert. In den letzten sieben Jahren hat er in Tschechien gespielt und als Assistant Coach gearbeitet, seine Familie lebt nach wie vor in Brünn. Angela Beckmann sprach mit ihm über seine Ankunft und die Saison.

Wie waren die ersten drei Monate?

Derhak: So far, so good. Finde mich mittlerweile zurecht, aber muss noch einiges lernen, wie es hier in Deutschland so läuft. Aber das ist ja normal, wenn man Job und Leben von einem Land ins andere verlegt.

Wie bist Du zu den Capitals gekommen, was waren Deine ersten Erfahrungen?

Derhak: Der Kontakt kam durch Wilson Lee zustande, wir kennen uns schon zehn Jahre. Er hat von den Capitals geschwärmt. Als ich dann online geschaut habe, wer und was die Capitals sind, hatten die gerade 34:0 Siege auf dem Konto. Ich konnte es kaum glauben. Die ersten persönlichen Gespräche hatte ich hier bei der Meisterfeier im Oktober. Das war das beste Jobinterview, das ich je hatte (lacht). Für mich kommt es neben dem sportlichen darauf an, dass ich ein gutes Gefühl habe für eine Zusammenarbeit. Ich habe gespürt, dass dies ein ganz besonderer Club ist.

Was ist Dein Eindruck vom Team?

Derhak: Ich habe sofort gemerkt, dass jeder bereit ist, hart zu arbeiten, dass sie sich füreinander verantwortlich fühlen. Schon nach zwei, drei Trainings wusste ich, dass das eine besondere Truppe ist und warum sie Champions geworden sind. Es sind viele sehr gute Spieler im Team. Der Winter und die ersten Frühjahrstrainings waren nicht einfach wegen des Umbaus hier am Platz. Aber keiner hat sich beklagt. Jeder will unbedingt trainieren. 

Du bist also zufrieden mit der Einstellung? Oft gibt es ja nach einer Meisterschaft ein Loch.

Derhak: Ja, wir kennen das in den USA als „Super Bowl Hangover“. Aber das ist hier nicht der Fall. Alle wissen, dass es ein besonderes Jahr für Baseball ist 2019 für Bonn und Deutschland, wegen unseres tollen neuen Ballparks und der Chance, wieder um den Titel zu spielen, wegen der Teilnahme am Champions Cup in Italien und wegen der Europameisterschaft hier zu Hause. Jeder weiß, das wird eine tolle Saison.

Was braucht ein Team, um guten Baseball zu spielen?

Derhak: Man muss sich zunächst mal klar sein, dass jedes Jahr neue Situationen mit sich bringt, darauf muss man vorbereitet sein. Zu den Kernelementen gehören dann: Verantwortung übernehmen, sich kurz- und langfristige Ziele setzen und darauf hinarbeiten, in der Lage sein, sich jeden Tag aufs Neue zu fokussieren. Das ist natürlich auch mein Job, das zu erreichen, einen Schritt nach dem anderen mit dem Team zu machen.

Kannst Du mir drei gute Gründe nennen, warum die Capitals wieder die Meisterschaft gewinnen können?

Derhak: Der Zusammenhalt, dann wissen sie nun, wie es sich anfühlt, Meister zu werden, haben also die Erfahrung, eine positive Einstellung, die Tiefe unseres Kaders. Wir haben so viele gute Spieler, das macht es für mich nicht leicht, die Starting 9 auszuwählen.

Was sind Deine Ziele?

Derhak: Ich habe das Team nach seinen Zielen gefragt. Das Ergebnis: wieder Bundesliga-Nord-Meister zu werden, wieder Deutscher Meister zu werden und dieses Mal ohne irgendwelche Proteste, Deutschland gut zu vertreten beim Champions Cup. Das sind gute und durchaus erreichbare Ziele. Ich schaue aber von Tag zu Tag, gerade am Anfang der Saison. Denn wir konnten einfach noch nicht gut genug trainieren. Deshalb macht es mir nichts aus, wenn wir mal ein Spiel verlieren, Hauptsache wir lernen daraus. Wir arbeiten auf ein langfristiges Ziel hin. Es ist ein Marathon, kein Sprint.

Wie schätzt Du die anderen Teams ein?

Derhak: Wenn ich mir zu viele Gedanken über die anderen mache, verliere ich den Fokus auf mein Team. Wir können nur kontrollieren, was wir selbst kontrollieren. Ja, da gibt es viele Wechsel in anderen Teams, aber es interessiert mich nicht sehr. Am Ende des Tages müssen die Gegner mit uns zurecht kommen. Mein Job ist es dafür zu sorgen, dass mein Team bereit ist. 

Wie machen sich die neuen Spieler?

Derhak: Zach Dodson ist ein supertalentierter Pitcher mit viel Erfahrung, der schon auf hohem Niveau gespielt hat, es wird viel Spaß machen, ihn spielen zu sehen. Bei Nic Miceli  beeindruckt mich die Vielseitigkeit, er kann Pitcher, Catcher, Feldpositionen spielen. So ein „swiss army knife“ zu haben ist toll für einen Trainer. Sie haben beide sofort zum Team und den Capitals gepasst. Wilson kennen die Capitals ja gut genug, er ist ohnehin Teil der Familie.


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