Endlich wieder Bundesliga-Baseball

5. August 2020

Alles ist anders. Alles? Nicht in der Bundesstadt am Rhein. Die Baseball-Bundesliga startet mit vier Monaten Verspätung, sie spielt eine verkürzte Saison und in einem neuen Modus. Im Bundesligateam der Bonn Capitals ist dagegen fast alles wie immer. Das heißt auch: Die Capitals wollen Meister werden. Und rechnen sich wieder einmal gute Chancen aus. Nach zuletzt drei Endspielteilnahmen in Serie und einem Meistertitel 2018 sicher nicht zu Unrecht. Am Samstag, 8. August, beginnt die Saison mit einem Heimspiel gegen die Berlin Flamingos. Dabei sind die Baseballer die erste Mannschaftssportart in Deutschland, die wieder vor Zuschauern spielen darf. Wenn auch vor einer sehr begrenzten Zahl von 265. Das Stadion ist ausverkauft. Caps TV überträgt auf sportdeutschland.tv.

Die Aufstellung der Capitals enthält lauter bekannte Namen. Von A wie Adrian bis Z wie Zach. Alle bleiben und alle wollen unbedingt spielen, auch wenn sie in diesem Jahr aufgrund der Pandemie, der Verzögerungen und der finanziellen Engpässe viele Opfer bringen müssen. Die Capitals-Familie hält eben zusammen. Die geplante Neuverpflichtung Terrell Joyce fiel Corona zum Opfer, der verdient sein Geld jetzt in Schweden. Aber neben den Eigengewächsen und langjährigen Spielern sind auch Pitcher Zach Dodson und Catcher Nick Miceli zurückgekehrt. Vinny Ahrens spielt ein paar Wochen in Italien, aber dann ist er auch wieder dabei. Alles nicht selbstverständlich, weshalb dem Team die Anerkennung schon vor dem ersten Pitch gebührt. Was sie alle nach den langen Monaten des Wartens eint: „Wir wollen unbedingt wieder Baseball auf höchstem Niveau und um Titel spielen“, sagt Wilson Lee. Gegen die Wiederaufsteiger aus Berlin wird es gleich ein Night Game geben, also das Nonplusultra für Spieler und Fans.

An der Seitenlinie gibt es dagegen eine Veränderung: Headcoach Alex Derhak ist seit dem 1. Juli als Trainer in Brünn, Tschechien, tätig. Sowohl ihm als auch den Capitals ist diese Entscheidung schwergefallen, aber die familiäre Situation war für Derhak schwierig: Seine Frau und die beiden Kinder leben nach wie vor in Tschechien, und Corona hat es nicht einfacher gemacht, dass sie sich sehen konnten. Da sich Alex Derhak zudem entschlossen hatte, nach dieser Saison 2020 nicht nach Bonn zurückzukehren, war im Juni alles offen. Denn zu dem Zeitpunkt wusste keiner, ob es überhaupt eine Saison in Deutschland geben würde. Und so haben sich Vorstand und Trainer auf das sofortige Ende der Zusammenarbeit geeinigt. „Wir danken Alex für die tolle Arbeit, die er mit dem Team geleistet hat. Er hat 2019 auf Anhieb das Finale erreicht und viele Spieler besser gemacht. Es ist schade, dass die Unwägbarkeiten des Jahres 2020 sein Engagement vorzeitig beendet haben“, so Capitals-Vorsitzender Udo Schmitz.

So haben die Capitals eine neue Trainerriege mit alten Bekannten bekommen: Wilson Lee trainiert das Team und wird von Nachwuchstrainer Clemens Cichocki und Sportdirektor Florian Nehring unterstützt. Eine Eingewöhnungsphase brauchte der Australier Lee nicht, er spielt seit vielen Jahren für die Capitals – mit einer kurzen Unterbrechung – und kennt alle Spieler bestens. Da er selbst auch auf dem Platz stehen wird, übernehmen an der Seitenlinie dann Cichocki und Nehring.  „Wir sind bereit“, sagt Wilson Lee. „Das Team hat das ganze Jahr hart gearbeitet, obwohl wir nicht wussten, was sein wird. Und wir trauen uns den Meistertitel in jedem Fall wieder zu.“ 

Auf der Pitcherposition sind die Capitals seit Jahren stark besetzt und mit der Riege Sascha Koch, Zach Dodson, Philipp Racek, Wilson Lee, Nico Weber, René Wolf oder auch Eric Brenk sind auch dieses Jahr viele Optionen möglich. Dazu kommen die beiden blutjungen Nachwuchspitcher Paul Schmitz und Noah Lindt. Ob Maurice Wilhelm noch einmal auf dem Mound stehen wird, hängt von seinen gesundheitlichen Problemen ab. Im Feld wird er definitiv nicht mehr spielen. Genau das Gegenteil gilt für Max Schmitz. Nach seiner schweren Armverletzung 2018 war sein Weg zurück auf den Wurfhügel nicht leicht, und er hat sich nun schweren Herzens entschlossen, nicht mehr auf den Mound zu gehen und Bälle mit 90mph zu werfen. Dafür ist er zurück an seiner Position als First Baseman oder im Right Field.

Die weiteren Optionen in der Defensive sind auch groß. Nick Miceli, Eric Brenk, Eddie Stommel  und Daniel Lamb-Hunt besetzen wie gewohnt die weiteren Infieldpositionen; Danny Lankhorst, Kevin van Meensel und Chris Goebel sind im Outfield im Einsatz – aber ausruhen kann sich keiner. Denn mit Justus Recki, Riccardo Migliore, Kevin Lambertz, Kilian Racek, Lennart Weller, Jonathan Schemmel und nach seiner Rückkehr Vinny Ahrens stehen genügend weitere Spieler in den Startlöchern. Für die neue Trainerriege keine leichte Aufgabe, am jeweiligen Spieltag die richtigen auszuwählen, denn der Spielablauf in Coronazeiten sieht vor, dass nicht mehr als 14 Spieler pro Team auf dem Feld und im Dugout sein dürfen. Alle anderen müssen leider auf der Tribüne sitzen und dürfen auch von dort nicht eingewechselt werden.

Dank an die Sponsoren

Doch reden wir über die Offensive. Denn auch wenn der Spruch gilt, dass die Offensive Spiele gewinnt, die Defensive aber Meisterschaften, so müssen die siegbringenden Punkte auch erschlagen und erlaufen werden. Bereits in den letzten Jahren haben die Bonn Capitals bewiesen, dass sie beides können: Punkte machen und Punkte verhindern. Wilson Lee, Eric Brenk, Daniel Lamb-Hunt, Chris Goebel, Eddie Stommel, Nick Miceli oder Lennart Weller, sie alle haben letzte Saison ihre Schlagkraft unter Beweis gestellt. In den Vorbereitungsspielen zu dieser kurzen Saison 2020 fiel dann auch der ein oder andere Homerun von ganz unterschiedlichen Spielern. Die Chancen sind gut auf genügend Punkte, denn einige gegnerische Teams konnten ihre gewünschten Neuverpflichtungen auf dem Mound aufgrund der Sondersituation in diesem Jahr doch nicht realisieren. Dennoch gilt: fokussiert bleiben, sonst gelingen die Hits trotzdem nicht.

Und eines hat Corona dann doch verhindert: Die Teilnahme am Champions Cup in Ostrava. Der wurde ersatzlos gestrichen. Die Lösung des DBV für 2021 bringt allerdings das ganze Team in Rage. Denn für den Champions Cup 2021 qualifizieren sich nach dem Willen des Verbandes die Meister 2019 und 2020. Da Deutschland zwei Startplätze hat, war Bonn als Vizemeister 2019 qualifiziert – und guckt nun eventuell in die Röhre. „Das ist völlig unverständlich, den Meister 2020 zu nominieren. Denn andere Länder und andere Verbände und selbst die Olympiaqualifikationen aller Sportarten gehen nach den Ergebnissen von 2019. Und da sind wir qualifiziert“, sagt Max Schmitz. Für das Team ist das erst recht ein Grund, alles für den erneuten Meistertitel in die Waagschale zu werfen – „dann gibt es auch keine Diskussionen mehr“.

Dabei können die Capitals wieder auf die Unterstützung der Sponsoren – trotz verkürzter Saison – mit der Dr. Schutz Group an der Spitze setzen. Das Bonner Unternehmen hat trotz wager Prognosen über eine Saison sein Engagement nie in Frage gestellt. Und da ist natürlich auch die Unterstützung der Fans, auch wenn in Corona-Zeiten erheblich weniger Zuschauer im Stadion sein werden als üblich. Bis zu 300 Personen dürfen nach behördlicher Auflage auf die Anlage, inklusive Helfern. So bleiben 265 Sitzplätze für die Fans der Capitals und des Gegners. Keine einfache organisatorische  Aufgabe. Aber das Team ist froh, dass überhaupt Zuschauer zugelassen sind. „Ohne Zuschauer hätten wir auch aus finanziellen Gründen nicht spielen können“, so Udo Schmitz. „Und mit unseren Fans macht es ja auch viel mehr Spaß. Wir freuen uns auf die Capitals-Familie!“ In Bonn ist eben doch nicht alles anders. 

Für das Stadion haben die Capitals ein Sitzplatzkonzept erarbeitet, aufgrund der Einschränkungen gibt es erstmals nummerierte Tickets. Dafür mussten mit großem ehrenamtlichen Aufwand zunächst mal die Sitzplätze nummeriert werden, das gab es bisher nämlich nicht im Stadion Rheinaue. Jede zweite Sitzreihe bleibt frei, nicht alle Sitzplätze werden aufgrund der Abstandsregeln vergeben. So passen 265 Zuschauer hinein. Ein Teil der Karten wurde als Dauerkarten verkauft, für die anderen läuft vor jedem Spieltag online eine Vorreservierung. „Das lässt sich nicht anders lösen, denn wir möchten vermeiden, dass wir viele Zuschauer wieder nach Hause schicken müssen“, so Organisatorin Angela Beckmann. Alle Infos unter demo.capitals.de. Und wer keine Karte ergattert: Das Team von Caps TV überträgt die Heimspiele live im Internet auf sportdeutschland.tv.

Heimspieltermine:

Samstag, 8.8., 17 und 20 Uhr: Berlin Flamingos
Sonntag, 6.9., 12 und 15 Uhr: Solingen Alligators
Samstag, 12.09., Uhrzeit offen: Hamburg Stealers
Sonntag, 20.09., 12 und 15 Uhr: Paderborn Untouchables

Spielmodus:
Einfache Runde mit sieben Spielen
Erst- und Zweitplazierter der Bundesliga Nord ermitteln im Halbfinale den Nordmeister, der dann im Finale gegen den Südmeister spielt. 

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