Kein Happyend nach toller Saison

15. October 2017

Die Bonn Capitals haben die Meisterschaft verpasst, mit der Vizemeisterschaft aber die beste Saison seit 18 Jahren gespielt. In Spiel 5 hatten sie beim 1:8 keine Chance gegen die Heidenheim Heideköpfe, denn an diesem Finaltag ging irgendwie nichts bei den Capitals und alles bei den Heideköpfen. Ein entscheidendes Spiel 5 vor großer und lauter Kulisse von rund 1.500 Fans hatte doch so manchen Spieler mehr beeindruckt als erwartet.

Rund 100 Bonner Fans waren mitgereist

Heidenheims Manager Klaus Eckle hatte Clayton Freimuth auf den Mound gestellt und damit einen wichtigen Schachzug gelandet. Denn der Pitcher, den Bonn zwar erwartet hatte und sich dennoch Chancen ausrechnete, hatte die Bonner Offensive dieses Mal völlig im Griff. Nur drei Hits schafften die Capitals, bei zehn der Heidenheimer, was die Ergebnisse der vorherigen Spiele umdrehte. Bereits im ersten Inning wurde klar, bei welchem Team das Momentum an diesem Tag lag – bei Heidenheim. Zwar kam Eric Brenk gleich auf Base durch einen Fehler des Heidenheimer Thirdbaseman, aber das sollte der einzige Fehler des neuen, nun dreifachen Meisters bleiben. Brenk und später Chris Goebel kamen nicht übers erste Base hinaus. Einer der ganz seltenen Fehler im Bonner Outfield ermöglichte im Gegenzug den Heideköpfen, die Bases 2 und 3 zu besetzen und kurz danach mit 2:0 in Führung zu gehen.

In der Folge zeigten sie, dass sie Bonns in dieser Saison überragenden Pitcher Sascha Koch nach nunmehr drei Finalspielen gut „gelesen“ hatten, sich also auf seine Würfe eingestellt hatten. Koch konnte sich nicht wie gewohnt durchsetzen und musste dann im 4. Inning das 4:0 hinnehmen nach einen Homerun von Mitch Nilsson. Enttäuscht verließ Koch schon zu diesem frühen Zeitpunkt den Mound und übergab an Maurice Wilhelm. Doch er konnte die bestens eingestellte Heidenheimer Offensive auch nicht halten – im fünften Inning erhöhten die auf satte 7:0 und alle wussten, das war die Entscheidung. Nach dem Ehrenpunkt durch Eddie Stommel erzielte Shawn Larry per Homerun den Endstand von 8:1. Offensiv schafften bei den Capitals nur Eric Brenk, BJ Roper-Hubbert und Maurice Wilhelm Hits, zumeist aber hatte Pitcher Clayton Freimuth alles im Griff und warf die kompletten neun Innings durch.

Eric Brenk war best batter der Finalserie!

Die Bonner Spieler waren natürlich sehr enttäuscht und konnten sich über die Vizemeisterschaft im Moment gar nicht freuen. Reden wollte keiner und auch die anschließenden Ehrungen riefen nicht einmal ein müdes Lächeln hervor. Zur Ehrung als Vizemeister kamen die Auszeichnungen für Eric Brenk als „best batter“ der Finalserie und Max Schmitz als bester Pitcher. „Die Heidenheimer haben ihre Erfahrung aus schon fünf Finalteilnahmen ausgespielt“, konstatierte Sportdirektor Florian Nehring. Manager Klaus Eckle hatte taktisch alles richtig gemacht und seine Jungs hatten gezeigt, dass sie im entscheidenden Moment einfach abgezockter agieren. Auch die mitgereisten rund 100 Bonner Fans reisten in gedämpfter Stimmung wieder ab, hatten aber zuvor eine Riesenstimmung für das Team entfacht (siehe Video hier). „Danke für die tolle Reise, auf die ihr uns mitgenommen habt in dieser Saison“, bedankte sich Vorsitzender Udo Schmitz bei den Spielern, die alle zum ersten Mal in einem Finale gestanden haben, und erntete viel Beifall von den Fans. „Aus dieser Erfahrung müssen wir lernen“, blickt Schmitz auf seine im Schnitt junge Mannschaft.

Max Schmitz war best pitcher der Finalserie!

Wie er hoffen auch die Fans, dass die Spieler sich – mit ein paar Tagen Abstand – über ihre jeweils erste Vizemeisterschaft freuen können, in der sie alles geboten haben, was den Baseballsport so faszinierend macht – und damit auch viele neue Fans gewonnen haben, was die sehr guten Zuschauerzahlen in der ganzen Saison und die 3.000 Fans bei den Finalspielen gezeigt haben. Team und alte und neue Fans sind noch näher zusammengerückt in den gesamten Playoffs. „Der Baseballsport in Bonn hat in jedem Fall einen weiteren großen Schritt nach vorne gemacht und seinen Stellenwert in der Sportstadt weiter erhöht“, so Capitals-Vorstandsmitglied Angela Beckmann. „Alle in der Stadt haben mitgefiebert, nicht zuletzt die anderen Vereine wie Telekom Baskets und Bonner SC, die den Capitals viele gute Wünsche mit auf die Reise gegeben haben. Darüber freuen wir uns sehr.“