Erst in Spiel 2 voll da

9. September 2018

Die Bonn Capitals haben zwei Gesichter gezeigt zum Start ins Halbfinale: In Spiel 1 in Regensburg blieben alle Mannschaftsteile weit unter ihren Möglichkeiten, so dass die 1:6 Niederlage nicht verwunderlich war. Am Sonntag in Spiel 2 trat das Team von Anfang an ganz anders auf, zeigte sich in der Offensive mit der nötigen Aggressivität, hatte eine starken Markus Solbach auf dem Mound und stand in der Defensive sicher. 9:3 hieß so das klare Ergebnis. Damit finden nächstes Wochenende in Bonn mindestens zwei weitere Spiele in der Best-of-Five-Serie statt.

War es die aufgeheizte Atmosphäre im Stadion in Regensburg, war es Nervosität, war es einfach nur ein schlechter Tag? So recht konnte sich das am Samstag keiner erklären, warum es bei Bonns Pitcher Sascha Koch nicht lief. Jedenfalls fand der sonst so souveräne 20-Jährige nicht rein ins Spiel und musste gleich drei Runs in den ersten beiden Innings hinnehmen. Noch kein Beinbruch, denn die Capitals hatten schnell zum 1:1 durch Daniel Lamb-Hunt ausgeglichen, und auch ein 1:3 Rückstand ist jederzeit aufholbar. Nicht aber an diesem Tag. Bonns Pitcher kassierte im vierten Inning zwei weitere Runs zum 1:5, und die Bonner Offensive fand keine Einstellung zu Regensburgs routiniertem Pitcher Mike Bolsenbroek. Sascha Koch ging schon zu Beginn dieses Innings vom Mound, Maurice Wilhelm übernahm und stand wesentlich sicherer, musste nur noch einen Run in Inning 6 hinnehmen. Den Rückstand aber konnten die Capitals nicht mehr aufholen, die Offensive blieb bei drei Hits im ganzen Spiel hängen.

Hängende Köpfe also, nachdem die erste Saisonniederlage relativ chancenlos ausgefallen war. Aber auch gleich der Wille, es tags drauf besser zu machen. „In Spiel 2 muss da ein anderes Team auf dem Platz stehen“, forderte auch Bonns Vorsitzender Udo Schmitz, der zusammen mit zahlreichen weiteren Bonner Fans vor Ort war. Gesagt, getan: Die Körpersprache am Sonntag war von Anfang an eine andere, man spürte, dass die Capitals einen anderen Willen an den Tag legten. Symbolisch dafür gleich der allererste Wurf des Spiels. Den drosch Eric Brenk zu einem Double ins Centerfield, stahl kurz darauf das dritte Base und punktete nach Schlag von Adrian Stommel zum 1:0. In nahezu allen folgenden Innings brachten die Capitals ihren Lead-off-Schlagmann aufs Base, hatten also immer die Chancen zu punkten. Sie nutzten das im zweiten Inning zu gleich vier Runs. Nach Schlag von Danny Lankhorst erzielten Maurice Wilhelm und Vincent Ahrens die Runs zum 3:0, nach erneutem Schlag von Brenk liefen Lankhorst und Kevin van Meensel zum 5:0 über die Homeplate. Bis ins vierte Inning hatten die Capitals ihre Führung auf 8:1 ausgebaut, schlugen in diesem Spiel insgesamt 14 Hits.

Der Unterschied zum Vortag war aber nicht nur die andere Einstellung, sondern auch, dass dieses Mal alles klappte: Die Defensive stand völlig sicher und ließ nichts zu, Pitcher Markus Solbach hatte mit acht Strikeouts und nur drei Hits die Legionäre im Griff. Die Bonner Offensive, bei der fast jeder Spieler mindestens einen Hit hatte, traf dieses Mal mit ihren Schlägen genau die Lücken, die am Tag zuvor noch in den Händen der Verteidigung gelandet waren. Hinzu kam, dass es dieses Mal Regensburgs Pitcher William Greenfield war, der keinen Zugriff bekam. Also umgekehrte Vorzeichen, die letztlich zum sicheren 9:3 führten.

Das heißt, dass es in der Best-of-Five-Serie am kommenden Wochenende in Bonn mindestens zu zwei weiteren Spielen kommt. Spiel 3 ist am Samstag um 14 Uhr, Spiel 4 am Sonntag um 12 Uhr. Ein mögliches Spiel 5 fände direkt im Anschluss um ca. 15:30 Uhr statt. Die Bonn Capitals sind nun bereit, da war die Niederlage vielleicht sogar ganz wichtig, denn sie wollen wieder ins Finale.

Foto: Thomas Schönenborn