Die Freude überwiegt

6. August 2019

Spieler und Fans der Bonn Capitals mussten am Sonntag die Finalniederlage hinnehmen, doch das schmerzte nur kurz. Das Saisonfazit der Capitals fällt insgesamt sehr positiv aus. „Dass wir es wieder ins Finale geschafft haben, war nicht unbedingt zu erwarten. Hut ab vor unserem Team, das wieder im Finale stand und bis zuletzt gekämpft hat“, fasste Udo Schmitz, Vorsitzender der Capitals, es ähnlich wie einige Spieler zusammen. Tatsächlich war es eine Saison mit Höhen und Tiefen, in der am Schluss die Freude überwog – auch dank der tollen Fans.

Die Capitals waren mit einer großen Bürde in die Saison gegangen – dem 40:0 Lauf aus dem Jahr 2018, als sie in der regulären Saison keine Niederlage kassierten. Die Erwartungshaltung war also hoch. Dass das so nicht zu wiederholen war, war trotzdem jedem klar und das Thema hatte sich dann auch schnell erledigt. Denn schon am ersten Doppelspieltag in Hamburg kassierten sie ihre erste Niederlage. Bis zum Ende der Saison waren es acht, und dafür gab es einige Gründe. Vor allem das Verletzungspech. Erst traf es Toppitcher Sascha Koch, der rund drei Monate mit einer Fingerverletzung ausfiel. Dann brach sich Shortstop Eric Brenk die Hand und war auch viele Wochen nicht dabei. Danny Lankhorst erlitt einen Bänderriss, Kevin van Meensel wurde krank. Und dann war da ja noch die lange Leidenszeit von Pitcher Max Schmitz, der noch immer Probleme mit seinem Oberarm hat und in den Playoffs nicht eingreifen konnte.

Doch die Bonner klagten nicht, sondern haben das Beste draus gemacht – und der neue Headcoach Alex Derhak gab den jungen Spielern viele Einsatzminuten. Ob Philipp Racek, Nico Weber oder Anthony Rodriguez, sie alle durften sich in der Bundesliga beweisen und Erfahrung sammeln. Genau dabei half die reguläre Saison immens, der Nachwuchs und die Spieler, die sonst nicht so viel Einsatzzeit haben, waren mittendrin. Am Ende der regulären Saison hätte es trotzdem fast noch zur Nordmeisterschaft gereicht, ein Sieg gegen Solingen fehlte. Da erging es Heidenheim, drei Jahre hintereinander Finalgegner der Capitals, noch schlechter. Sie kassierten in der regulären Spielzeit sogar elf Niederlagen. Doch in den Playoffs waren beide Teams dann wieder voll dabei.

Dabei ist es fast schon zur Gewohnheit geworden, dass die Capitals es spannend machen. Denn sowohl im Viertelfinale gegen Regensburg als auch im Halbfinale gegen Solingen mussten sie über fünf Spiele gehen. Und hatten es am Ende doch wieder ins Finale geschafft. Mit Heidenheim stand ihnen ein Gegner gegenüber, der finanziell ganz andere Möglichkeiten hat als die Capitals und sich zur Saison an vielen Positionen verstärkt hatte. Die Capitals gingen also schon als Underdog in die Serie. 

Dass sie es trotzdem spannend gemacht haben, lag zum einen an Pitcher Zach Dodson, der Spiel 2 gewann und Spiel 4 lange offenhielt, und ganz klar an den tollen Fans der Capitals. Am Wochenende waren es rund 3.200, die in die Rheinaue gepilgert waren und eine Megastimmung machten. Sie feierten ihr Team trotz der Finalniederlage noch lange nach Spielschluss. Aber das war nicht nur in den Playoffs so. Die Bonner Baseballfans strömen regelmäßig zu den Heimspielen und sie sind auch auswärts lautstark dabei. Sie sind eine wichtige Unterstützung fürs Team, rücken mit Trommeln und Rasseln an und sorgen für beste Stimmung auf den Rängen. „Wir haben die besten Fans in ganz Baseball-Deutschland, die größte Fankurve, sie sind mit riesiger Passion dabei“, sagt Max Schmitz.

Die Niederlage akzeptierten Spieler und Fans schnell. Die Freude über das Finale und eine spannende Serie überwog allenthalben. Dass es in dieser Saison offensiv und defensiv nicht immer rund lief, setzte sich in der Finalserie fort. Allein ein Blick auf die Offensivstatistiken der Playoffs zeigt, dass Heidenheims Schlagleute einfach konstanter und stärker waren. „Die Heideköpfe haben vom ersten Wurf an Druck auf uns ausgeübt. Und sie waren immer genau dann hellwach, wenn es notwendig war“, bilanzierte Bonns Coach Derhak. Für ihn war es dennoch eine gute erste Saison als Headcoach, er hat sich den Respekt seiner Mannschaft geholt und war der ruhende Pol in all der Playoff-Hektik. Nun ist die Saison so früh zu Ende wie noch nie, was der Europameisterschaft geschuldet ist. Da wollen die Bonner und Heidenheimer Nationalspieler noch einmal alles aus sich herausholen, und die Fans stehen auch schon parat, wenn Deutschland jeweils abends spielt. Die Baseballhochburg Bonn bleibt also im September „the place to be“.

Fotos: Thomas Schönenborn