Zwei bittere Niederlagen

Die Bonn Capitals sind nach dem Auftakt der Finalserie bereits in der Defensive. Denn sie mussten in beiden Spielen am Wochenende Niederlagen hinnehmen – die zwar mit 3:12 und 0:3 sehr unterschiedlich ausfielen, aber beide bis zum jeweils achten Inning eng waren und von den Pitchern geprägt wurden. Der Capitals-Offensive gelang es nicht, zu ihrer Stärke zu finden, und so waren die Niederlagen unvermeidlich. 

Die Geschichte von Spiel 1 war nicht so einfach, wie es das Ergebnis aussagt, denn bis zum achten Inning stand es nur 1:3 aus Bonner Sicht. Dabei hatte eigentlich jeder mit einem Feuerwerk der beiden Offensivreihen gerechnet, doch das Spiel entwickelte sich zum Pitcherduell. Bonns Sascha Koch ließ lediglich einen Homerun zum 0:1 zu, auch Heidenheims Mike Bolsenbroek musste einen Homerun von Kevin van Meensel hinnehmen. Das war zum 1:2 und schon tief im Spiel, nämlich im sechsten Inning. Der zweite Punkt für Heidenheim war nicht durch einen Hit, sondern durch Fehler in der Verteidigung zustande gekommen. Also hielten beide Pitcher der großen Offensivkraft der Schlagleute stand. Für die Capitals war das einigermaßen enttäuschend, denn zuletzt hatten sie oft im zweistelligen Bereich gepunktet und Mike Bolsenbroek war in dieser Saison nicht immer sicher gewesen. 

Doch Bonn bekam seine Chance im achten Inning beim Stand von 1:3. Nach Singles von Eddie Stommel und Eric Brenk standen bei keinem Aus zwei Läufer auf den Bases und Kevin van Meensel trat ans Schlagmal. Sein Schlag wurde zwar am dritten Base zum Aus genutzt, dass die Umpire allerdings auch van Meensel am ersten Base zu einem Double Play aus gaben, war höchst umstritten und nach Betrachten der Videobilder mehr als fragwürdig. Der Bonner Schlagmann regte sich auf, warf seinen Helm wutentbrannt zu Boden – und flog dafür vom Platz. Nach dieser Szene war das Spiel entschieden, Bonn schenkte das Spiel her. Und so sammelte die junge Bonner Pitcherriege im neunten Inning allein sieben (!) Walks und musste einen Grand Slam Homerun von Simon Liedtke hinnehmen zum 1:12. Die Punkte von Daniel Lamb-Hunt und Chris Goebel zum 3:12 waren nur noch Ergebniskosmetik. Offensiv brachte einzig Lennart Weller mit gleich vier Hits eine hervorragende Leistung.

Spiel 2 am Sonntag wurde noch umso mehr zum Pitcherduell zwischen Zach Dodson und Lars Huijer. Dodson hielt die starke Heidenheimer Offensive mit zehn Strikeouts kurz, und Huijers Würfe schmeckten der Bonner Offensive gar nicht, ein ums andere Mal schlugen sie ins Infield, was zum schnellen Aus an der ersten Base führte. Je länger das Spiel dauerte, umso klarer wurde es: Wer den ersten auch nur kleinen Fehler macht, geht wahrscheinlich als Verlierer vom Platz. Und so kam es im sechsten Inning beim Stand von 0:0. Heidenheim brachte nach einem Hit-by-Pitch Philipp Schulz auf die Base und bei zwei Aus trat Powerhitter Gary Owens an die Platte. Bonns Trainer diskutierten kurz mit Pitcher Zach Dodson, ob man ihn per „Intentional Walk“ freiwillig an die erste Base gehen lassen sollte – und entschied sich dagegen. Der nächste Wurf von Dodson wurde zum Bumerang, denn Owens schlug ihn aus dem Feld zum Homerun und der 2:0 Führung. Zach Dodson zeigte ein überragendes Spiel, doch diese kleine Unachtsamkeit bedeutete den Rückstand. Der dritte Punkt in achten Inning kam durch einen Fehler in der Verteidigung zustande. 

Die Capitals bekamen – was der Verlauf des Spiels erahnen ließ – nicht viele Chancen, das auszugleichen, doch sie kam wie schon am Vortag im achten Inning. Zwei Läufer auf den Bases und Powerhitter Wilson Lee am Schlag. Doch der Spielertrainer kam wie viele seiner Mitspieler in beiden Spielen gegen Heidenheim überhaupt nicht zurecht und schlug ins dritte Aus. Im neunten Inning passierte nichts mehr. Die Capitals hatten fast durch die Bank offensiv dem Heidenheimer Pitching nichts entgegen zu setzen, versäumten es auch, Pitcher Lars Huijer, der sehr schnell agierte, aus dem Rhythmus zu bringen. Und so waren sie trotz sechs Hits – je zwei für Danny Lankhorst und Justus Recki – gegenüber vier der Heidenheimer nahezu chancenlos.

Damit liegen sie in der Best-of-Five-Serie bereits 0:2 zurück und müssen am kommenden Wochenende in Heidenheim schon alles in die Waagschale werfen. „Natürlich sind wir enttäuscht, dass wir gerade zu Hause unsere Leistung nicht gebracht haben“, so Spielertainer Wilson Lee. „Heidenheim ist es gelungen, dass ihr Plan für die Spiele voll aufging. Bei uns nicht. Unser Pitching war in beiden Spielen sehr stark, aber unsere Offensive hat nicht umgesetzt, was sie eigentlich kann. Aber noch ist es nicht vorbei, wir schauen jetzt nur auf Spiel 3.“

Foto: Thomas Schönenborn

Scroll to Top