Siege müssen her

Die Bonn Capitals stehen nach zwei Spielen der Finalserie um die Deutsche Baseballmeisterschaft mit dem Rücken zur Wand, nachdem sie beide Heimspiele am vergangenen Wochenende verloren hatten. Und doch ging es in dieser Woche um ein anderes Thema: Kann die Mannschaft aufgrund der Entwicklung der Corona-Zahlen überhaupt übers Wochenende nach Heidenheim fahren?

Der Vorstand der Bonn Capitals und die Verantwortlichen des Verbandes sowie der Heidenheimer haben das Szenario lange diskutiert: Sollte Bonn die magische 50er Marke (pro 100.000 Einwohner) überschreiten, kann das Team in Heidenheim nicht übernachten, da dort Beherbergungsverbot herrschte. Außer alle 22 Spieler und drei Trainer hätten einen negativen Coronatest vorzuweisen, was organisatorisch und finanziell nicht abzubilden ist. Für die Capitals ist klar, dass sie sich strikt an die Anweisungen der Behörden halten, was sie auch in der bisherigen Saison zu Hause mit der Beschränkung auf 300 Zuschauer schon getan haben. Im Laufe des Donnerstags wurde das Beherbergungsverbot in Ba-Wü dann gekippt, das Team kann also fahren.

Die Mannschaft versucht, das alles auszublenden und sich auf Baseball zu konzentrieren. Fast alle Spieler kennen die Alles-oder-Nichts-Situation schon aus vergangenen Jahren, man denke nur an die legendäre (letzlich gewonnene) Halbfinalserie gegen Regensburg 2018. Alle wissen zudem, dass sie sich offensiv enorm steigern müssen, um noch eine Chance zu haben. Allein die Pitcher Sascha Koch, Zach Dodson und Maurice Wilhelm haben starke Leistungen gebracht, und in Spiel 1 war offensiv Lennart Weller voll da. Ansonsten haben die Powerhitter der Capitals fast keinen Stich bekommen gegen die Heidenheimer Pitcher Mike Bolsenbroek und Lars Huijer. „Wir haben keinerlei Durchschlagskraft gezeigt und konnten nicht umsetzen, was uns die ganze Saison ausgezeichnet hat“, so Spielertrainer Wilson Lee. Sicher hat das auch etwas mit dem großen Respekt vor Gegner Heidenheim zu tun, den man im vierten Jahr in Folge in Finale zu Gesicht bekommt. Und es hat etwas damit zu tun, dass die Capitals in der regulären Saison wenig starke Gegner hatten, die Siege entsprechend leicht fielen.

Doch das Team ist voller Ehrgeiz, will die Scharte auswetzen und konzentriert sich voll auf Spiel 3. Lee: „Wir denken Schritt für Schritt.“ Da hilft es natürlich, dass die beiden gesperrten Spieler, Catcher Nick Miceli und Outfielder Kevin van Meensel, zurück auf dem Platz sein werden. Dass der erfahrene Miceli defensiv und offensiv fehlte, war nicht zu übersehen. Und van Meensel ist bisher der beste Offensivmann der Capitals in den Playoffs. Beide wollen ihre Teamkollegen mitreißen und das Heft noch rumreißen. Schritt eins muss Samstag gelingen, dann geht es am Sonntag in weitere Spiele der Best-of-Five-Serie.

Foto: Thomas Schönenborn

Scroll to Top